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Simulation · 3 Min.

Was Schwankung wirklich bedeutet

Volatilität klingt nach einer harmlosen Kennzahl, bis man sieht, wie breit sie ein Ergebnis auffächert. Stelle Startbetrag, Schwankung, erwartete Rendite und Zeitraum ein: Das Werkzeug würfelt 200 Kursverläufe und zeigt dir Median, Bandbreite und wie viele Pfade unter deinem Startbetrag landen.

Was du einstellst

10 %120 %

Annahme: grobe Größenordnungen zum Anfassen, keine gemessenen Werte für einen bestimmten Zeitraum.

minus 30 %plus 50 %

Die Vorgabe 0 % ist eine Annahme und keine Meinung über die Zukunft: Das Modell rechnet dann nur mit Schwankung, ohne Richtung.

1 Jahr10 Jahre

200 Pfade mit Monatsschritten. Solange du nur die Regler bewegst, bleiben dieselben Zufallszahlen stehen, damit du den Unterschied siehst und nicht den Zufall.

Median der Endwerte nach 3 Jahren
Median 90. Perzentil 10. Perzentil Startbetrag 40 der 200 Pfade

Waagerecht die Jahre ab dem Start (J.), senkrecht der Wert. Pfade, die über den oberen Rand steigen, brechen dort ab.

10. Perzentil: jeder zehnte Pfad endet darunter
90. Perzentil: jeder zehnte Pfad endet darüber
Pfade unter dem Startbetrag
Pfade mit zwischenzeitlich über 50 % Minus
Verteilung der 200 Endwerte

Endwert geteilt durch Startbetrag, Anteil der 200 Pfade in Prozent. Die vier Klassen von links: bis 0,5, dann bis 1, bis 2 und mehr als 2.

Zufallspfade aus einem Modell mit deinen Annahmen. Sie sind keine Prognose und beschreiben keinen echten Kursverlauf.

Hinweis: Die Pfade sind Zufallszahlen aus einem Modell mit deinen Annahmen. Das ist keine Prognose und keine Anlageberatung.

So rechnet der Simulator

Hinter den Kurven steckt eine geometrische Brownsche Bewegung, das Standardmodell für Kursverläufe. Der Simulator geht in Monatsschritten vor. Aus jedem Monatswert entsteht der nächste nach dieser Formel, wobei dt ein Zwölftel Jahr ist, my die von dir eingestellte erwartete Jahresrendite, sigma die Schwankung und Z eine standardnormale Zufallszahl:

SchrittWas passiert
ZufallZ entsteht aus dem Box-Muller-Verfahren, das aus zwei Gleichverteilungen zwei normalverteilte Zahlen macht
Formelneuer Wert gleich alter Wert mal e hoch ((my minus sigma im Quadrat geteilt durch 2) mal dt plus sigma mal Wurzel aus dt mal Z)
Wiederholung200 Pfade, jeder mit 12 Schritten je Jahr, bis zu 120 Schritte bei 10 Jahren
Auswertungje Monat werden alle 200 Werte sortiert, daraus entstehen Median sowie 10. und 90. Perzentil
Der Abzug von sigma im Quadrat geteilt durch 2 heißt Driftkorrektur. Ohne ihn würde die eingestellte Rendite im Ergebnis systematisch zu hoch herauskommen.

Solange du nur an den Reglern ziehst, bleiben dieselben Zufallszahlen stehen. So siehst du, was deine Einstellung ändert, und nicht, was der Zufall gerade macht. Erst der Knopf „Neu würfeln" zieht 24.000 frische Zufallszahlen. Im Diagramm werden 40 der 200 Pfade sehr hell gezeichnet; alle 200 hätten nur eine graue Fläche ergeben. Die Kennzahlen und die Verteilung unten rechnen immer mit allen 200 Pfaden.

Warum der Median unter dem Mittelwert liegt

Volatilität ist die Standardabweichung der Renditen, auf ein Jahr hochgerechnet. 60 % Schwankung bedeuten grob: Ein Jahresergebnis liegt in etwa zwei von drei Fällen zwischen minus 60 und plus 60 Prozentpunkten um die erwartete Rendite herum. Weil ein Kurs aber nicht unter null fallen kann und nach oben offen ist, ist die Verteilung der Endwerte schief. Ein Verlust von 50 % braucht anschließend ein Plus von 100 %, um wieder auf null zu kommen.

Genau das macht die Driftkorrektur sichtbar. Stellst du die erwartete Rendite auf 0 % und die Schwankung auf 60 %, bleibt der rechnerische Mittelwert aller Pfade nach drei Jahren beim Startbetrag, der Median liegt im Modell aber nur bei rund 58 % davon. Der Mittelwert wird von wenigen sehr gut gelaufenen Pfaden nach oben gezogen, während die Mehrheit darunter landet. Das ist der Grund, warum dieses Werkzeug den Median groß anzeigt und nicht den Durchschnitt: Der Median beschreibt den typischen Fall.

Welche Zahlen belegt sind und welche Annahme

Die Vergleichsknöpfe für Aktienindex, Gold, Bitcoin und kleine Altcoins sind Annahmen dieses Werkzeugs, damit du Größenordnungen anfassen kannst. Sie sind keine gemessenen Werte für einen bestimmten Zeitraum, und jede Volatilität ändert sich über die Jahre. Belegt sind dagegen die folgenden Kursbewegungen, an denen sich ablesen lässt, wie hoch die Ausschläge tatsächlich schon waren.

Zeitraum oder EreignisBelegte ZahlQuelle
Bitcoin, August 2015 bis November 2021von 250 auf 69.000 US-DollarZahlungsausgleich
Bitcoin und Ether im Jahresverlauf 2022rund 75 % KursrückgangZahlungsausgleich
Kryptomarkt, erstes Halbjahr 2022über 60 % MarktrückgangWertpapieraufsicht
Tage um die Insolvenz von FTX, November 2022über 20 % in wenigen TagenZahlungsausgleich
Wertverlust des Kryptomarktes 2022über 1,8 Billionen US-DollarZahlungsausgleich
Quellen im Einzelnen unten. „Zahlungsausgleich" steht für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, „Wertpapieraufsicht" für die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde.
Hinweis: Die Europäische Zentralbank hält in ihrem Finanzstabilitätsbericht fest, dass die historische Schwankung von Kryptowerten die von breit gestreuten europäischen Aktien- und Anleihemärkten deutlich übersteigt und auch über der von Silber und Gold liegt. Eine feste Prozentzahl dafür nennt dieses Werkzeug bewusst nicht, weil sie vom gewählten Zeitfenster abhängt.

Wo das Modell aufhört

Das Modell unterstellt, dass die Schwankung über den ganzen Zeitraum gleich bleibt und dass die monatlichen Renditen unabhängig voneinander und normalverteilt sind. Beides trifft auf echte Kryptomärkte nicht zu. In der Wirklichkeit ballen sich ruhige und hektische Phasen, und extreme Tage kommen deutlich häufiger vor, als eine Normalverteilung erlaubt. Der Zusammenbruch von TerraUSD im Mai 2022 und die Insolvenz von FTX im November 2022 waren solche Tage. Das Modell unterschätzt deshalb eher, wie schlimm es kurzfristig kommen kann.

Dazu kommt: Die erwartete Rendite ist eine Eingabe, keine Erkenntnis. Wer 50 % eintippt, bekommt freundliche Kurven zu sehen, ohne dass damit irgendetwas über die Zukunft belegt wäre. Auch Gebühren, Spreads, Steuern und der Verlust eigener Schlüssel stecken in keiner dieser Zahlen. Der Simulator beantwortet eine einzige Frage: Wie breit fächert eine bestimmte Schwankung ein Ergebnis auf?

Häufige Fragen

Was bedeutet 60 Prozent Volatilität konkret?

Es ist die auf ein Jahr hochgerechnete Standardabweichung der Renditen. Grob gesagt liegt das Jahresergebnis in etwa zwei von drei Fällen in einem Band von 60 Prozentpunkten um die erwartete Rendite. Ein Drittel der Fälle liegt außerhalb, und dort passieren die großen Ausschläge nach oben wie nach unten.

Warum liegt der Median unter dem Startbetrag, obwohl ich 0 Prozent Rendite eingestellt habe?

Weil Kursverläufe multiplikativ sind. Minus 50 Prozent und danach plus 50 Prozent ergeben nicht null, sondern minus 25 Prozent. Bei hoher Schwankung zieht dieser Effekt den typischen Pfad nach unten, während wenige sehr gute Pfade den Mittelwert oben halten.

Ist das eine Prognose für den Bitcoin-Kurs?

Nein. Der Simulator würfelt Pfade aus deinen Annahmen, er kennt keinen echten Kurs und keine Marktdaten. Er zeigt nur, wie breit ein Ergebnis bei einer bestimmten Schwankung auffächert. Jede Zahl darin ist eine Folge deiner Eingaben, keine Aussage über die Zukunft.

Warum ändern sich die Kurven nicht, wenn ich nur den Regler bewege?

Die Zufallszahlen bleiben absichtlich stehen, solange du Parameter änderst. So siehst du den Effekt der Einstellung und nicht den Effekt eines neuen Wurfs. Der Knopf Neu würfeln zieht 24.000 frische Zufallszahlen und zeigt dir einen anderen möglichen Verlauf.

Was ist mit dem zwischenzeitlichen Rückgang von über 50 Prozent gemeint?

Das Werkzeug merkt sich für jeden Pfad den höchsten bisher erreichten Wert und misst, wie weit der Pfad danach darunter fällt. Der Anteil zählt alle Pfade, die irgendwann mehr als die Hälfte vom eigenen Höchststand verloren haben, auch wenn sie am Ende wieder im Plus landen.

Quellen