Bitcoin · Volatilität erklärt
Warum Bitcoin so stark schwankt
Volatilität ist keine Meinung, sondern eine Messgröße für die Streuung von Kursen. Dieser Text sammelt die Zahlen, die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden dazu veröffentlicht haben, und nennt den Zeitraum, für den sie gelten.
KI-SymbolbildBitcoin schwankt stark, weil der Markt klein ist, keine laufenden Erträge abwirft und allein von Angebot und Nachfrage lebt: 2024 schwankte der Kurs nach Angaben der EZB doppelt so stark wie Gold und fast dreimal so stark wie der S&P 500.
Volatilität ist eine Messgröße, kein Werturteil. Sie gibt an, wie weit die täglichen Renditen eines Werts um ihren eigenen Mittelwert streuen, und wird üblicherweise als Standardabweichung ausgedrückt. Für Bitcoin liegen solche Werte von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden vor, und sie fallen höher aus als bei Aktien, Anleihen, Öl oder Gold.
Was Volatilität misst und was sie nicht sagt
Die Europäische Zentralbank hat im Occasional Paper Nr. 223 vom Mai 2019 offengelegt, wie sie rechnet. Volatilität ist dort die 90-Tage-Standardabweichung der Tagesrenditen, berechnet auf Tagesdaten vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Januar 2019. Für diesen Zeitraum lag die historische Volatilität von Kryptowerten über der breiter europäischer Aktien- und Anleihemärkte und auch über der von Öl und Gold. Die EZB hält in derselben Studie fest, dass Bitcoin dabei weniger schwankte als viele kleinere Kryptowerte.
Wichtig ist, was diese Kennzahl nicht leistet. Sie beschreibt die Vergangenheit eines festgelegten Fensters, hier 90 Tage, und sie sagt nichts über die Richtung. Ein Wert mit hoher Volatilität kann in beide Richtungen ausschlagen. Und eine gemessene Schwankungsbreite aus den Jahren 2017 bis 2019 lässt sich nicht in die Zukunft verlängern. Wer Volatilität nachrechnen will, findet die Begriffe im Glossar, und der Volatilitäts-Simulator zeigt, wie sich unterschiedliche Schwankungsbreiten auf einen Depotwert auswirken.
Welche Rückgänge bei Bitcoin belegt sind
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat im Bulletin Nr. 69 vom 20. Februar 2023 einen Datensatz zu mehr als 200 Handels-Apps in 95 Ländern für August 2015 bis Mitte Dezember 2022 ausgewertet. Darin steht: Zwischen August 2015 und dem Höchststand im November 2021 stieg der Bitcoin-Kurs von 250 auf 69.000 US-Dollar. Im Verlauf des Jahres 2022 fielen die Kurse vieler Kryptowerte einschließlich Bitcoin und Ether um rund 75 Prozent, und über 1,8 Billionen US-Dollar an Marktwert lösten sich auf.
Zwei Episoden stechen heraus. Nach dem Zusammenbruch des algorithmischen Stablecoins TerraUSD im Mai 2022 wurden laut derselben Quelle zwischen Mai und Juni über 450 Milliarden US-Dollar an Wert vernichtet. Im Zuge des Zusammenbruchs von FTX im November 2022 verloren Bitcoin, Ether und weitere Kryptowerte binnen weniger Tage über 20 Prozent, und weitere 200 Milliarden US-Dollar verschwanden. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA beziffert in ihrer Analyse vom 4. Oktober 2022 den Einbruch des Gesamtmarkts bis Juli 2022 auf über 60 Prozent in einem halben Jahr und den Marktrückgang im Umfeld des TerraUSD-Zusammenbruchs und der Insolvenzen mehrerer großer Kryptoplattformen auf rund 50 Prozent.
Schwankung neben Gold und Aktienindex
Für einen direkten Vergleich gibt es einen aktuellen Wert. Die EZB schreibt in ihrer Sonderanalyse zur Finanzstabilität vom Mai 2025, dass die Bitcoin-Preise im Jahr 2024 doppelt so stark schwankten wie die Goldpreise und fast dreimal so stark wie der S&P 500. Das ist ein Verhältnis, keine absolute Schwankungsbreite, und es gilt für dieses eine Jahr. Einen Rechenweg oder ein Zeitfenster nennt die EZB für dieses Verhältnis nicht; nachrechnen lässt es sich aus der Veröffentlichung also nicht. Die folgende Übersicht führt nur Werte auf, die in den unten genannten Quellen stehen.
| Zeitraum | Kennzahl | Belegter Wert | Quelle |
|---|---|---|---|
| Jahr 2024 | Preisschwankung von Bitcoin gegenüber Gold | doppelt so stark | EZB |
| Jahr 2024 | Preisschwankung von Bitcoin gegenüber dem S&P 500 | fast dreimal so stark | EZB |
| 1. Januar 2017 bis 31. Januar 2019 | 90-Tage-Standardabweichung der Tagesrenditen | höher als Aktien, Anleihen, Öl, Gold | EZB |
| August 2015 bis November 2021 | Anstieg des Bitcoin-Kurses | 250 auf 69.000 US-Dollar | BIZ |
| Kalenderjahr 2022 | Kursverlust von Bitcoin und Ether | rund 75 Prozent | BIZ |
| Januar bis Juli 2022 | Einbruch des gesamten Kryptomarkts | über 60 Prozent | ESMA |
| Mai bis Juni 2022 | vernichteter Marktwert nach dem TerraUSD-Zusammenbruch | über 450 Milliarden US-Dollar | BIZ |
| November 2022, Tage um den Zusammenbruch von FTX | Kursverlust von Bitcoin, Ether und weiteren Kryptowerten | über 20 Prozent | BIZ |
Die Tabelle zeigt Vergangenes. Keiner dieser Werte sagt etwas über den nächsten Monat.
Woher die großen Ausschläge kommen
Vier Punkte tauchen in den Quellen immer wieder auf. Erstens die Größe: Die EZB bezifferte den Kryptomarkt im Mai 2022 auf weniger als 1 Prozent des globalen Finanzsystems, nachdem die Marktkapitalisierung aller Kryptowerte Ende 2021 über 2,5 Billionen Euro erreicht hatte und die Marktkapitalisierung ungedeckter Kryptowerte seit November 2021 um 1,3 Billionen Euro gefallen war. In einem kleinen Markt bewegen einzelne große Aufträge den Preis stärker.
Zweitens fehlt ein innerer Ertrag. Ein Kryptowert zahlt keine Miete, keine Dividende und keinen Kupon, an dem sich ein Preis festmachen ließe. Die gemeinsame Warnung von ESMA, EBA und EIOPA vom 17. März 2022 formuliert es so: Der Preis hängt oft allein an der Nachfrage der Verbraucher, weil hinterlegte Vermögenswerte oder andere greifbare Werte fehlen können.
Drittens Hebel und Konzentration. Die ESMA nennt den leichteren Zugang zu Hebelprodukten gerade für weniger erfahrene Anleger als Grund dafür, dass Ausschläge heftiger ausfallen. Viertens das Verhalten großer Halter: Die BIZ beobachtete für die Tage nach den Ereignissen im Mai und November 2022, dass Adressen mit mehr als 1.000 Bitcoin ihre Bestände verringerten, während Adressen mit weniger als 1 Bitcoin aufstockten. Diese Beobachtung betrifft Gruppen von Adressen, nicht einzelne Personen, und sie belegt keine Absicht.
Was starke Schwankungen für Sparplan und Anteil bedeuten
Die BIZ hat für dasselbe Bulletin eine Simulation gerechnet: Jeder neue Nutzer kauft im Monat des ersten App-Downloads und in jedem Folgemonat Bitcoin für 100 US-Dollar. Ergebnis bis Dezember 2022: Über vier Fünftel dieser Nutzer hätten Verlust gemacht, der mittlere Nutzer hätte 431 US-Dollar verloren, also knapp die Hälfte der eingezahlten 900 US-Dollar. Das ist eine Modellrechnung mit festen Annahmen, kein gemessener Depotstand.
Für die Praxis heißt das zweierlei. Regelmäßiges Kaufen verteilt den Einstiegszeitpunkt, es senkt aber nicht das Risiko, dass ein Wert dauerhaft fällt oder auf null geht. Und ein Anteil, der bei einem Rückgang von 75 Prozent schmerzt, war vor dem Rückgang zu groß. Wie eine Rate steuerlich zählt und was ein Sparplan leisten kann, steht im Text zum Krypto-Sparplan; die Frage nach dem Anteil behandelt der Text zum Krypto-Anteil im Portfolio.
So prüfen Sie Ihre eigene Verlusttragfähigkeit
Rechnen Sie die Zahlen auf Ihren Betrag um, bevor Sie kaufen. Nehmen Sie den Rückgang von rund 75 Prozent aus dem Jahr 2022 und wenden Sie ihn auf Ihre geplante Summe an: Aus 1.000 Euro würden 250 Euro. Aus 5.000 Euro würden 1.250 Euro. Fragen Sie sich, ob Sie diesen Betrag zwölf Monate oder länger nicht brauchen und ob Sie ihn im schlechtesten Fall vollständig abschreiben könnten.
Prüfen Sie danach drei Dinge: ob eine Rücklage für unerwartete Ausgaben auf einem jederzeit verfügbaren Konto liegt, ob Schulden mit höherem Zins offen sind, und ob Sie den Kauf auch dann noch richtig fänden, wenn der Kurs danach ein Jahr lang fällt. Die europäischen Aufsichtsbehörden formulieren die Kernfrage in ihrer Warnung vom 17. März 2022 kurz: Können Sie es sich leisten, das eingesetzte Geld vollständig zu verlieren? Wer diese Frage nicht mit Ja beantwortet, hat die Antwort schon.
Häufige Fragen
Wie stark schwankt Bitcoin im Vergleich zu Gold?
Die Europäische Zentralbank schreibt in ihrer Sonderanalyse zur Finanzstabilität vom Mai 2025, dass die Bitcoin-Preise im Jahr 2024 doppelt so stark schwankten wie die Goldpreise und fast dreimal so stark wie der S&P 500. Das ist ein Verhältnis für dieses eine Jahr und keine Aussage über kommende Jahre. Für den Zeitraum 1. Januar 2017 bis 31. Januar 2019 lag die Schwankungsbreite von Kryptowerten ebenfalls über der von Öl und Gold.
Was war der größte belegte Rückgang bei Bitcoin?
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nennt für das Kalenderjahr 2022 einen Kursverlust von rund 75 Prozent bei Bitcoin und Ether, verbunden mit über 1,8 Billionen US-Dollar an vernichtetem Marktwert. Die ESMA beziffert den Einbruch des Gesamtmarkts von Januar bis Juli 2022 auf über 60 Prozent. Ältere Rückgänge sind in diesen beiden Quellen nicht mit Prozentzahlen hinterlegt und stehen deshalb hier nicht.
Bedeutet hohe Volatilität, dass der Kurs wieder steigt?
Nein. Volatilität misst nur, wie weit die Renditen um ihren Mittelwert streuen, und sagt nichts über die Richtung. Ein Wert kann jahrelang stark schwanken und dabei unter dem Einstiegskurs bleiben. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich rechnet vor, dass in einer Modellrechnung mit monatlich 100 US-Dollar über vier Fünftel der betrachteten Nutzer bis Dezember 2022 im Minus lagen.
Warum schwankt ein kleiner Markt stärker?
Weil einzelne große Aufträge auf weniger Gegenseite treffen. Die EZB bezifferte den Kryptomarkt im Mai 2022 auf weniger als 1 Prozent des globalen Finanzsystems, nach über 2,5 Billionen Euro Marktkapitalisierung Ende 2021. Dazu kommt, dass Kryptowerte keinen Zins und keine Dividende zahlen, an denen sich ein Preis orientieren könnte, worauf die gemeinsame Warnung der europäischen Aufsichtsbehörden vom 17. März 2022 ausdrücklich hinweist.
Schützt ein Sparplan vor der Volatilität?
Ein Sparplan verteilt den Einstiegszeitpunkt über viele Monate und glättet damit den Durchschnittspreis. Er senkt aber weder die Schwankung des Werts noch das Risiko eines Totalverlusts. In der Modellrechnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit 100 US-Dollar je Monat hätte der mittlere Nutzer bis Dezember 2022 431 US-Dollar von 900 US-Dollar Einzahlung verloren.
Ist dieser Artikel eine Anlageberatung?
Nein. Der Text gibt Zahlen aus Veröffentlichungen von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden wieder und nennt jeweils den Zeitraum, auf den sie sich beziehen. Er enthält keine Kaufempfehlung, kein Kursziel und keine Prognose. Die europäischen Aufsichtsbehörden weisen in ihrer Warnung vom 17. März 2022 darauf hin, dass ein vollständiger Verlust des eingesetzten Geldes möglich ist.
Quellen
- Crypto shocks and retail losses, BIS Bulletin Nr. 69Bank für Internationalen Zahlungsausgleich · 20.02.2023
- Just another crypto boom? Mind the blind spots, Financial Stability ReviewEuropäische Zentralbank · Mai 2025
- Crypto-assets and their risks for financial stability, ESMA50-165-2251ESMA · 04.10.2022
- Crypto-Assets: Implications for financial stability, Occasional Paper Nr. 223Europäische Zentralbank · Mai 2019
- Decrypting financial stability risks in crypto-asset marketsEuropäische Zentralbank · Mai 2022
- EU financial regulators warn consumers on the risks of crypto-assets, ESA 2022 15ESMA, EBA und EIOPA · 17.03.2022


