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Unternehmensbewertung · Ratgeber

Unternehmenswert berechnen: Multiplikator, Ertragswert und DCF

Was ist mein Unternehmen wert? Die Antwort hängt von der Methode und von den Annahmen ab. In der Praxis kleiner und mittlerer Unternehmen haben sich drei Verfahren durchgesetzt: das Multiplikatorverfahren, das Ertragswertverfahren und die Discounted-Cashflow-Methode.

Von der inotoken RedaktionStand 28.10.20262 Min. LesezeitMit Rechnern zum Selbstrechnen
Symbolbild: Hand mit Stift über Zahlenkolonnen und einem TaschenrechnerKI-Symbolbild
Das Wichtigste in Kürze
  • Grundlage jeder Bewertung ist das bereinigte, nachhaltige Ergebnis.
  • Multiplikatoren liefern eine schnelle Spanne, ersetzen aber keine Analyse.
  • Ertragswert und DCF rechnen künftige Erträge mit einem Risikozins auf heute ab.
  • Der Kaufpreis entsteht am Ende in der Verhandlung, nicht in der Tabelle.

Vorarbeit: das Ergebnis bereinigen

Jede Methode braucht eine belastbare Ertragszahl. Dafür wird das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um Sondereffekte bereinigt: Ein marktübliches Gehalt für die Geschäftsführung wird angesetzt, private Kosten werden herausgerechnet, einmalige Erträge oder Aufwendungen ebenso. Ein Inhaber, der sich kein Gehalt zahlt, hat sonst einen zu hohen Gewinn in den Büchern.

Multiplikatorverfahren

Hier wird das bereinigte EBIT mit einem Faktor multipliziert, der aus vergleichbaren Verkäufen oder Branchenwerten stammt. Für kleinere Unternehmen liegen die Faktoren deutlich unter denen großer, börsennotierter Firmen, weil das Risiko höher und der Käuferkreis kleiner ist.

Beispiel: Ein Dienstleister mit 320.000 € bereinigtem EBIT und einem angenommenen Faktor von 4,0 bis 5,0 kommt auf einen Unternehmenswert von 1,28 bis 1,6 Mio. €. Zieht man Bankschulden abzüglich freier Liquidität ab, ergibt sich der Wert der Anteile.

Probieren Sie es mit Ihren Zahlen im Unternehmenswert-Rechner.

Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren fragt: Welcher Betrag würde heute angelegt dieselben Erträge abwerfen? Die künftigen Gewinne nach Steuern werden mit einem Kapitalisierungszins abgezinst. Dieser setzt sich aus einem risikolosen Basiszins und Zuschlägen für das unternehmerische Risiko zusammen. Für kleine Unternehmen ergeben sich so oft zweistellige Zinssätze.

Bei gleichbleibenden Erträgen gilt vereinfacht: Wert = Gewinn nach Steuern geteilt durch Kapitalisierungszins. 224.000 € Gewinn bei 12 % ergeben rund 1,87 Mio. €.

Discounted-Cashflow-Methode

Die DCF-Methode arbeitet mit geplanten freien Cashflows, also dem Geld, das nach Investitionen tatsächlich frei wird. Sie eignet sich für wachsende Unternehmen mit belastbarer Planung. Ihr Nachteil: Kleine Änderungen bei Wachstum oder Zins verändern das Ergebnis stark.

Typische Fehler

  • Den Wert aus dem Umsatz statt aus dem Ergebnis ableiten
  • Das eigene Gehalt nicht berücksichtigen
  • Faktoren großer Konzerne auf kleine Betriebe übertragen
  • Investitionsstau und Abhängigkeit vom Inhaber ignorieren

Wer die eigenen Werttreiber kennt, kann gezielt nachbessern. Mehr dazu im Beitrag Werttreiber für den Kaufpreis.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder finanzielle Beratung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Welche Methode ist die richtige?

Es gibt nicht die eine richtige Methode. Bei kleinen und mittleren Unternehmen werden Multiplikator und Ertragswert oft gemeinsam betrachtet. Für Gutachten gilt in Deutschland häufig der Standard IDW S 1 der Wirtschaftsprüfer.

Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenswert und Kaufpreis?

Der Unternehmenswert beschreibt das gesamte Unternehmen. Der Kaufpreis für die Anteile ergibt sich nach Abzug der Finanzschulden und Zurechnung freier Liquidität, und am Ende aus der Verhandlung.

Was kostet ein Bewertungsgutachten?

Je nach Umfang und Anlass von einigen Tausend Euro für eine Kurzbewertung bis zu deutlich höheren Beträgen für ein Gutachten nach IDW S 1. Fragen Sie mehrere Angebote an.