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Grundlagen · Grundlagen für Einsteiger

Bitcoin einfach erklärt, in Zahlen, die man nachschlagen kann

Das Papier hinter Bitcoin ist neun Seiten lang, das Netz läuft seit über siebzehn Jahren, und die wichtigste Regel steht in einer einzigen Zeile Code. Hier steht, was davon belegt ist und was daraus folgt.

Von der inotoken RedaktionStand 13.09.20266 Min. LesezeitGeprüft, mit Quellen
Symbolbild einer goldenen Münze mit Bitcoin-Zeichen vor blauem Datenraster und ZahlenreihenKI-Symbolbild
Die Antwort in einem Satz

Bitcoin ist ein offenes Zahlungs- und Buchführungsnetz mit eigener Recheneinheit, das seit dem 3. Januar 2009 läuft, etwa alle 10 Minuten einen Block schreibt und dessen Menge bei knapp 21 Millionen Einheiten endet, ohne dass eine Zentrale diese Regel ändern kann.

Bitcoin ist ein Computerprogramm, das seit dem 3. Januar 2009 ohne Unterbrechung läuft und eine einzige Aufgabe erfüllt: Es führt Buch darüber, wem welche Einheiten gehören, ohne dass eine Bank oder eine Behörde diese Buchführung übernimmt. Die Regeln stehen im Code, und die bekannteste davon ist eine Mengenobergrenze.

Was am 31. Oktober 2008 veröffentlicht wurde

Am 31. Oktober 2008 erschien unter dem Namen Satoshi Nakamoto ein neunseitiges Papier mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“. Der Anspruch steht gleich in der Zusammenfassung: Zahlungen sollen direkt von einer Partei zur anderen laufen, „ohne den Umweg über ein Finanzinstitut“. Das Papier beschreibt dafür eine Lösung für das Doppelausgabe-Problem, denn eine Datei lässt sich kopieren, eine Zahlung darf sich nicht kopieren lassen.

Gut zwei Monate später, am 3. Januar 2009 um 18:15:05 UTC, entstand der erste Block. Seine Belohnung von 50 BTC lässt sich wegen einer Besonderheit im Code bis heute nicht ausgeben. In den Daten dieses Blocks steckt die Schlagzeile einer britischen Tageszeitung vom selben Tag über eine zweite Bankenrettung. Bis zum nächsten Block vergingen 6 Tage, ein Wert, der weit über dem späteren Durchschnitt liegt. Wie aus einzelnen Blöcken eine fälschungssichere Kette wird, steht ausführlich in der Erklärung zur Funktionsweise einer Blockchain.

Wie neue Bitcoin entstehen und wo die Menge endet

Neue Einheiten entstehen nur auf einem Weg: Wer einen gültigen Block findet, darf sich eine festgelegte Belohnung selbst gutschreiben. Das Netz stellt die Schwierigkeit dieser Suche alle 2.016 Blöcke so ein, dass im Mittel etwa alle 10 Minuten ein Block entsteht, also rund 144 Blöcke am Tag. Die Belohnung halbiert sich alle 210.000 Blöcke, was etwa vier Jahren entspricht.

Aus dieser Regel folgt die Obergrenze. Die ersten 210.000 Blöcke brachten je 50 BTC, die nächsten 210.000 je 25 BTC, dann 12,5 BTC, dann 6,25 BTC. Zusammengerechnet waren mit Block 840.000 am 20. April 2024 nach diesem Plan 19.687.500 BTC erzeugt, seither kommen 3,125 BTC je Block dazu, also 450 BTC am Tag; das ist die Rechnung aus dem Belohnungsplan, nicht eine Zählung in der Kette, in der einzelne Blöcke weniger als die volle Belohnung beansprucht haben. Die Summe aller künftigen Halbierungen läuft auf knapp 21 Millionen zu; wegen der Rundung im Code liegt der rechnerisch erreichbare Wert bei 20.999.999,9769 BTC. Der letzte Bruchteil fiele bei gleichbleibender Rechenleistung um das Jahr 2140 an. Wie diese Halbierungen im Einzelnen abliefen, steht im Text zum Bitcoin Halving.

Eine Einheit ist dabei teilbar: 1 BTC besteht aus 100.000.000 kleinsten Einheiten, genannt Satoshi. Wer wissen will, wie viele Satoshi ein bestimmter Eurobetrag ergibt, kann das im Satoshi-Euro-Rechner nachrechnen.

Wer über Bitcoin bestimmt

Es gibt keine Zentrale, aber drei Gruppen mit unterschiedlichen Hebeln. Knoten sind Rechner, die eine vollständige Kopie der Kette vorhalten und jede Regel selbst prüfen. Sie verwerfen Blöcke, die gegen die Regeln verstoßen, und genau darin liegt ihre Macht: Eine Änderung, die Knotenbetreiber nicht übernehmen, setzt sich nicht durch. Miner liefern die Rechenleistung und entscheiden, welche Transaktionen in den nächsten Block kommen. Sie können die Mengenregel jedoch nicht umschreiben, weil Knoten einen Block mit zu hoher Belohnung ablehnen.

Entwickler pflegen die Software und schlagen Änderungen als nummerierte Vorschläge vor, die sogenannten Bitcoin Improvement Proposals. Der Vorschlag BIP 141 zum Beispiel führte 2017 die getrennte Speicherung von Signaturen ein und ersetzte die alte Obergrenze von 1.000.000 Byte je Block durch ein Gewichtslimit von 4.000.000 Gewichtseinheiten. Ob so etwas gilt, entscheidet am Ende die Verbreitung: Software, die niemand installiert, ändert nichts. Das Whitepaper nennt dieses Prinzip „one-CPU-one-vote“ und knüpft die Sicherheit daran, dass die Mehrheit der Rechenleistung bei Beteiligten liegt, die nicht gemeinsam angreifen.

Weil niemand eine Kundennummer vergibt, gibt es auch keine Anmeldung. Eine Adresse entsteht aus einem Schlüsselpaar, das ein Programm auf dem eigenen Gerät erzeugt. Wer den geheimen Teil kennt, kann verfügen; wer ihn verliert, verliert den Zugriff. Das Netz kennt weder Namen noch Wohnsitz, wohl aber jede Bewegung: Alle Übertragungen seit 2009 liegen offen und sind für jeden nachlesbar. Anonym ist das nicht, pseudonym trifft es besser.

Was der Betrieb an Strom kostet

Die Rechenarbeit ist der Preis für die Sicherheit, und sie lässt sich schätzen. Eine Erhebung der Universität Cambridge vom April 2025 befragte 49 Mining-Unternehmen, die am Stichtag 30. Juni 2024 zusammen 268 EH/s stellten, also knapp 48 Prozent der geschätzten Netz-Rechenleistung. Ergebnis für diesen Stichtag: Der auf ein Jahr hochgerechnete Stromverbrauch wurde auf rund 138 TWh geschätzt, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr und etwa 0,54 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Die zugerechneten Treibhausgase beziffert die Studie auf rund 39,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, das sind etwa 0,08 Prozent der weltweiten Emissionen; für eine feinere Betrachtung nennt sie selbst die niedrigere Spanne von 32,9 bis 37,6 Millionen Tonnen.

Den Strommix der befragten Betriebe weist die Studie zu 52,4 Prozent als nachhaltig aus, das sind 42,6 Prozent erneuerbare Quellen und 9,8 Prozent Kernkraft. Dieselbe Studie kommt mit einer standortbezogenen Rechnung statt der Selbstauskunft nur auf 37,6 Prozent, die Spanne reicht also von 37,6 bis 52,4 Prozent. Größte Einzelquelle war Erdgas mit 38,2 Prozent, Kohle kam auf 8,9 Prozent, Öl auf 0,5 Prozent. Die Betriebe nannten im Median einen Strompreis von 45 US-Dollar je MWh; Strom machte bei ihnen über 80 Prozent der laufenden Ausgaben aus. Alle diese Zahlen stammen aus Selbstauskünften einer Teilmenge des Marktes zum 30. Juni 2024 und sind keine Messung des gesamten Netzes; die Studie weist selbst darauf hin, dass Betriebe in den USA darin eher über- und solche in Russland, Afrika und Teilen Asiens eher unterrepräsentiert sind.

Bitcoin, Bargeld und Girokonto nebeneinander

Der Vergleich mit den beiden Formen von Geld, die in Deutschland jeder kennt, macht die Unterschiede schneller klar als jede Definition. Die Deutsche Bundesbank spricht in ihrem Monatsbericht vom Juli 2019 nicht von einer Währung, sondern von Krypto-Token: Diese erfüllten „mangels Wertstabilität Geldfunktionen nicht“ und seien ein Nischenprodukt, „das überwiegend spekulativ orientierte Anleger nutzen“.

Drei Eigenschaften trennen die Spalten der folgenden Tabelle. Erstens die Frage, wer hinter dem Wert steht: Beim Guthaben auf dem Girokonto ist es eine Bank, die im Insolvenzfall über die Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Institut einspringen lässt; bei Bitcoin steht niemand dahinter. Zweitens die Menge: Die Notenbank steuert die Geldmenge nach ihrem Auftrag, die Bitcoin-Menge folgt einer festen Formel. Drittens die Umkehrbarkeit: Eine Lastschrift lässt sich zurückholen, eine bestätigte Übertragung in der Kette nicht.

Bitcoin, Euro-Bargeld und Guthaben auf dem Girokonto im Vergleich
MerkmalBitcoinEuro-BargeldGuthaben auf dem Girokonto
Wer gibt es ausniemand, die Software vergibt die BelohnungEuropäische Zentralbank und nationale Zentralbankendie einzelne Bank als Forderung gegen sich selbst
Mengebegrenzt auf knapp 21.000.000geldpolitisch gesteuert, keine feste Obergrenzeentsteht und vergeht mit der Kreditvergabe
Kleinste Einheit0,00000001 BTC (1 Satoshi)0,01 Euro0,01 Euro
Zahlung rückgängig machennach Bestätigung praktisch nichtnur durch Rückgabe von Hand zu HandRücklastschrift und Rückruf möglich
Verwahrungeigener Schlüssel oder ein AnbieterGeldbörse, TresorKonto bei der Bank
Schutz bei Ausfallkeiner, verlorene Schlüssel bedeuten TotalverlustBanknoten sind gesetzliches ZahlungsmittelEinlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Institut nach § 8 EinSiG

So prüfen Sie die Zahlen selbst nach

Alles, was hier steht, lässt sich ohne Vorkenntnisse nachrechnen oder nachschlagen. Die Mengenformel: 210.000 Blöcke mal 50 BTC ergeben 10.500.000 BTC in der ersten Stufe, jede weitere Stufe liefert die Hälfte, die Summe nähert sich 21.000.000. Die Tagesproduktion: 6 Blöcke je Stunde mal 24 Stunden mal 3,125 BTC ergeben 450 BTC. Der nächste Halbierungstermin liegt bei Block 1.050.000; wann er erreicht wird, hängt von der tatsächlichen Blockzeit ab und lässt sich nur schätzen, etwa mit dem Halving-Countdown.

Drei Punkte sollten Sie klären, bevor Sie Geld einsetzen. Erstens: Der Kurs schwankt stark, und es gibt keinen Emittenten, der stützt. Zweitens: Wer seine Schlüssel verliert, verliert die Einheiten endgültig, denn eine Sperrung oder Rückbuchung wie beim Konto gibt es nicht. Drittens: Für Kauf, Verwahrung und Steuer gelten in Deutschland eigene Regeln, die im Text zu den ersten Schritten beim Kauf stehen. Unbekannte Fachwörter schlagen Sie im Glossar nach.

Häufige Fragen

Wie viele Bitcoin gibt es und wie viele kommen noch dazu?

Mit Block 840.000 am 20. April 2024 waren nach der Belohnungsformel 19.687.500 BTC erzeugt. Seither kommen 3,125 BTC je Block hinzu, bei rund 144 Blöcken am Tag also etwa 450 BTC; rechnerisch ergibt das inzwischen gut 20 Millionen. Die Obergrenze liegt bei knapp 21 Millionen, rechnerisch bei 20.999.999,9769 BTC. Der Rest verteilt sich über weitere Halbierungen bis etwa zum Jahr 2140.

Kann jemand die Regel mit den 21 Millionen ändern?

Nur, wenn praktisch alle mitziehen. Jeder vollwertige Knoten prüft jeden Block gegen die Regeln und verwirft einen Block mit zu hoher Belohnung. Miner können also nicht einfach mehr ausschütten. Eine Änderung müsste von Entwicklern vorgeschlagen, von Knotenbetreibern installiert und von den Minern befolgt werden. Wer nicht mitmacht, bleibt auf der alten Kette.

Was passiert, wenn ich meine Zugangsdaten verliere?

Dann sind die Einheiten weg. Es gibt keine Stelle, die den Zugang zurücksetzt, keine Sperrung und keine Rückbuchung. Das unterscheidet Bitcoin grundlegend vom Girokonto, bei dem Guthaben in der EU über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Institut geschützt ist. Die Sicherung des Schlüssels ist deshalb die eigentliche Arbeit.

Ist Bitcoin in Deutschland gesetzliches Zahlungsmittel?

Nein. Gesetzliches Zahlungsmittel im Euroraum sind Euro-Banknoten und Euro-Münzen. Die Deutsche Bundesbank spricht in ihrem Monatsbericht vom Juli 2019 bei Bitcoin von einem Krypto-Token und hält fest, dass solche Token mangels Wertstabilität die Geldfunktionen nicht erfüllen. Niemand muss Bitcoin zur Bezahlung annehmen; wo es funktioniert, beruht das auf einer freiwilligen Vereinbarung zwischen Käufer und Verkäufer.

Wie viel Strom verbraucht das Bitcoin-Netz wirklich?

Genau weiß das niemand. Die Erhebung der Universität Cambridge vom April 2025 kommt für den Stichtag 30. Juni 2024 auf rund 138 TWh im Jahr, etwa 0,54 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs, bei 17 Prozent Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl beruht auf Selbstauskünften von 49 Unternehmen mit zusammen knapp 48 Prozent der Netz-Rechenleistung und ist eine Hochrechnung aus dieser Teilmenge, keine Messung des gesamten Netzes.

Quellen

  1. Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash Systembitcoin.org · 31.10.2008
  2. Controlled supply, Belohnungsplan und ObergrenzeBitcoin Wiki · abgerufen 13.09.2026
  3. Genesis blockBitcoin Wiki · abgerufen 13.09.2026
  4. Cambridge Digital Mining Industry ReportCambridge Centre for Alternative Finance · 04/2025
  5. Krypto-Token im Zahlungsverkehr und in der Wertpapierabwicklung, MonatsberichtDeutsche Bundesbank · 07/2019
  6. § 8 Einlagensicherungsgesetz, DeckungssummeBundesamt für Justiz · abgerufen 13.09.2026